1. Schliessung und Öffnung gegenüber dem Fremden
1936
Oui contre
le communisme
Während der 1930er Jahre erreichte die Darstellung des
Fremden seinen Höhepunkt in der Figur des Kommunisten.
Für Konservative stellen sie die Personifizierung ihrer Unsicherheiten
und latenten Ängste dar. Die Karikatur Stalins,
die sich über Genf erhebt, illustriert die Ängste vor einer kulturellen
und ideologischen Invasion und stellt die Politiker
als Handpuppen Moskaus dar (rechts Léon Nicole, links Jean
Vincent). Sie streiten zum eigenen Nachteil und ziehen das
Land ins Verderben. Sie werden deshalb beschuldigt Verräter
zu sein, die der sowjetischen Infiltration den Weg bereiten.
2. Wirtschaftliche und demographische Fragen
1988
Ils bâtissent
pour vous
Dieses von Rottönen geprägte Plakat, das Erinnerungen an
die klassische Arbeiterbewegung evoziert, thematisiert drei
Abstimmungsvorlagen. Die beiden ersten sind miteinander
durch den Slogan Sie bauen für euch. Gebt ihnen eure Stimme
verknüpft. Der Slogan verweist entweder auf die Arbeiterschaft
als Ganzes (Arbeitszeitverkürzung) oder auf die ausländischen
Arbeitskräfte, welche von einer neuen Initiative der Nationalen
Aktion bedroht werden. Das Schicksal der einheimischen
und ausländischen Arbeitskräfte wird gleichgesetzt, illustriert
durch ein zerbrechliches Gerüst, an dem sich drei Arbeiter
festhalten.
3. Menschenrechte
1977
Ras le bol
Im Kontext zwei weiterer sogenannter Überfremdungsabstimmungen
werden auf diesem Plakat bewusst keine Menschen abgebildet, weder Fremde noch Schweizer, sondern
stattdessen eine Schale. Dadurch zielt die gewählte Argumentation
in schlichter Art darauf ab, den Überdruss der Bürger mit
der französischen Wendung Ras le bol (dt. : Nase voll) auszudrücken.
Tatsächlich handelt es sich um die vierte und fünfte
Überfremdungsabstimmung in weniger als 10 Jahren. Diese
Initiativen werden ohne viel Aufhebens als fremdenfeindlich
verurteilt. Die Botschaft klagt die Verbissenheit gewisser
Parteien an, den Ausländeranteil in der Bevölkerung weiterhin
verringern zu wollen.
4. Kulturelle Vielfalt
1970
Wir brauchen
diese Menschen
Dieses Plakat unterstreicht das gemeinsame Interesse
von Migranten und Aufnahmeland : Die Zuwanderung ist auch
für die Schweiz unabdingbar. Die schwarzen Silhouetten stehen
für Migranten, deren Herkunft durch die Fahnen verdeutlicht
wird. Es handelt sich sowohl um Anrainerländer, die der Schweiz
seit dem 19. Jahrhundert Arbeitskräfte stellen (Deutschland,
Italien, Frankreich und Österreich) als auch Länder, deren Zuwanderung
erst kürzlich begann (das ehemalige Jugoslawien,
Türkei, Griechenland und Spanien) oder deren Flüchtlinge
die Schweiz infolge sowjetischer Eingriffe aufgenommen hat
(Ungarn 1956 und die Tschechoslowakei 1968).